CO2 hoch 3

 

Regt ihr Euch noch auf, oder lacht ihr schon? Zugegebenermaßen wird das auch immer schwieriger im heutigen Alltags-Wahn. Diesel-CO2-SMOG, Parteien-übergreifende Politiker-Vetternwirtschaft und dazu noch ontop unmotiviertes Nationalmannschafts-Gegurke machen das Leben deutlich schwerer, als wir wirklich (er) tragen können. Hinzu kommen private Highlights wie zum Beispiel der morgendliche Tritt in den warmen Mischlingsköter-Kot-Haufen, der unangekündigte Plattfuß am Auto und notorische, touristische Rolltreppen-Linkssteher.

 

Aber jetzt mal im Ernst. Weil sich Mutti Bundeskanzlerin mit ihren Verkehrs- und Umwelt-Hilfsschergen weiter im „Schnick-Schnack-Schnuck-Prinzip“ um 360-Grad-EU-konforme-Umwelt-Katastrophen-Verhinderungs-Lösungen vergeblich bemühen, bändigen wir im ersten Schritt den CO2-Ausstoß in den Innenstädten von Backnang, Düren und Limburg an der Lahn. Für die einen ein richtungsweisender Königs-Schachzug im Kampf um reine Luft und für die anderen ein simples Augenzwinkern Richtung Partei-Zentrale der Grünen. Meine Damen und Herren, nochmal zum laut Mitlesen. BACKNANG, DÜREN und LIMBURG AN DER LAHN wurden zum CO2-Hauptquartier des Bösen ernannt. Dort wurde quasi das gemeine, giftige Kohlendioxid erfunden. Das wusste bisher auch noch niemand. Aber Unwissenheit schützt bekanntlich vor mieser Luft nicht. Und was kommt jetzt als nächstes? Na ganz sicher dürfen die Einwohner aus Backnang, Düren und Limburg an der Lahn ab morgen nicht mehr Fernsehen. Denn eine Stunde RTL verbraucht nämlich wahnsinnige 200 Gramm CO2. Es wäre da unverantwortlich einfach so weiter zu glotzen in diesen Krisengebieten. Und sie dürfen auf gar keinen Fall mehr Wäsche bei 90 Grad waschen. Über 1.000 Gramm je Höllen-Waschladung. Seid ihr verrückt geworden? Und heiß duschen? Eine kurze, heiße Dusche verpufft allein schon fast 3.000 Gramm des Teufelszeugs CO2 im Durchschnitt. Das wird alles verboten in Backnang, Düren und Limburg an der Lahn. Arme Schweine. Ich rufe hiermit zu einer großen Luft-Spenden-Aktion für das Katastrophen-Bermudadreieck auf. Einfach mal nüchtern in ein Röhrchen pusten, luftdicht verpacken, unter dem Stichwort: „bitte gut durchlüften“ an die Bundesregierung adressieren und ab damit in die Post. Ich möchte ehrlich gesagt nicht wissen, was die da im deutschen Bundestag so alles rauchen, ähh, einatmen.

 

Und dabei haben wir noch nicht einmal über den öffentlichen Personennahverkehr gesprochen. Ich meine Bus und Bahn zur härtesten Hauptverkehrszeit. Zählt das gar nicht? Da kommen doch  locker 20 Personen mit schlechtem Atem auf einen Quadratmeter. Und alle haben es so eilig, als ob sie mehr als dringend auf die Toilette müssen. Die meisten schauen dabei auch genau so. Hier geht es drunter und drüber. Ameisenhaufen und Bienenstöcke sind dagegen ein geordnetes, rücksichtsvolles Kaffeekränzchen mit laktosefreier Milch aus dem Kännchen und einem Stückchen Schwarzwälder-Kirschtorte inkl. Stoff-Serviette. Ja, da stimmen die Prozesse noch. Oma mit Schürze serviert den Kuchen und Opa schläft im Liegestuhl mit der Hörzu auf der Brust ein. Ach, die guten alte Zeit. Klare AKV-Regelung zur Nachmittagszeit auf der sonnigen Rentner-Terrasse bei Vogelgezwitscher. Die Ameisen und Bienen haben und kennen Prozesse. Wege. Abläufe und Regeln, an die sich alle strikt halten. Aber das Volk im ÖPNV, wie der grüne Kommunalpolitiker diese gelben Proleten-Raupen der U-Bahn gerne nennt, kennt keine klaren Regeln mehr. Und schon gar keine Kirschtorte aus dem Schwarzwald. Also, lange Rede, kurzer Wahnsinn: da ist eine Menge los. Durchatmen kann man dort schon lange nicht mehr.

 

Auf dem Bahnhof ist es ja mittlerer Weile so eng wie in Cindys bunter Lack-Leggins aus Marzahn. Es drückt an jeder Stelle und niemand bekommt so richtig Luft. Auf einmal wird es schattig. Ein Zwei-Meter-Ochse mit einem riesigen Rucksack treibt sein Mountainbike durch die Menge, als wäre er Moses, der das Rote Meer spalten möchte. Die BMX-Race-Face-Cross-Zacken-Pedalen schlitzen alles erbarmungslos auf, was sich 20 bis 40 cm über dem Boden befindet. Hosenbeine zerreißen, Knöchel knacken, Dackel bluten und Einkaufstüten platzen auf. Die Schutzbleche bleiben im Herbst-Mantel hängen und der Lenker verteilt ordentlich Hiebe in Rippenhöhe. Und der Rambo klingelt dabei auch noch, als sei er der Fahrer des Monats beim Tiefkühlkostexperten  Eismann. Er muss hier durch. Er muss hier lang. Er ist hier und jetzt alleine auf der Welt. Denkste. Diese Rechnung hat er ohne den Studenten aus der Ukraine gemacht, der von der anderen Seite wild gestikulierend und fluchend mit einem Kühlschrank aus den 60er Jahren auf der Sackkarre anrollt. Es kommt zum Duell auf Augenhöhe, bei dem es keinen Gewinner geben kann.

 

Und genau so ist es auch bei der CO2-Diskussion um Diesel, Smog, Kohlendioxid, Fahrverbote. Zentrale Verbote helfen einfach nicht langfristig weiter, sondern reißen nur neue Baustellen auf. Lokale Einschränkungen verwirren nur und schaffen Ungerechtigkeiten. Meine erste, persönliche Maßnahme im Kampf gegen den SMOG: Der SUV bleibt morgen in der Garage und ich reite  vollkommen CO2-neutral mit dem Pferd ins Büro. Wahrscheinlich rauche ich dabei aber Marlboro und schaue Richtung Lagerfeuer. So richtig konsequent bin ich dann auch wieder nicht. Aber wer ist das schon? Howdy, ihr Kohlendioxid-Junkies, lasst auch mal ordentlich Dampf ab.

 

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© Olli Dahlke - Botschafter des Humors