Schule bildet auch die Eltern.

 

Was für ein Abend! Ihr werdet es kaum glauben, aber ich habe meinen ersten Elternabend überstanden. Bin schon erstaunt, was dort alles angesprochen wird. Ich lass Euch mal teilhaben und stelle eine kleine Auswahl an Fragen aufgebrachter Eltern zusammen, die wirklich am ersten Elternabend der ersten Klasse gestellt wurden. Und weil Ihr von mir immer ein bißchen mehr erwarten könnt, gebe ich auch gleich noch meine gedanklichen, spontanen Antworten dazu. Viel Spass dabei.

 

- „Wie viele Farben soll denn der Tuschkasten jetzt haben? Und wie viele Pinsel sollen wir dem Kind denn mitgeben? Nur Borsten-Pinsel oder auch feine Haarpinsel?“ Ich denke mir meine Antwort dazu: „Gute Fragen, Herr van und zu Gogh. Bitte geben Sie ihrem Kind zum Kunstunterricht eine Holz-Staffelei und mindestens vier dazu passende Blanko-Leinwände à 2x3 Meter mit. Kommen Sie bitte auf dem Fahrrad. Ach ja, und der Tuschkasten sollte alle Farben haben - außer Rot. Da nehmen wir dann bei Bedarf unser Blut. Und besorgen Sie bitte das 36teilige Professionell-Pinsel Set von Maybelline New York. Inklusive einem 2mm Augenbrauen-Pinsel. Ich mal halt gern an den Kindern rum. Und jetzt Klappe, Sie Möchtegern-Picasso.“

 

- Dann kommt die zweite schlaue Wortmeldung: „Sollen die Hausaufgaben zu Hause gemacht werden?“ Meine gedankliche Fachantwort dazu: „Oh nein. Aber nein. Bloß nicht. Bitte machen Sie die Hausaufgaben gemeinsam mit ihrem Kind in der U-Bahn. Aber bitte nicht hinsetzen. Im Stehen schreibt es sich besser. Das fördert die Kreativität. Alternativ können Sie die Hausaufgaben auch bei Rewe an der Fleischtheke machen. Zwischen Mett-Igel und Puszta-Platte. Oder auf dem Oktoberfest im Bierzelt. Das geht auch. Aber auf keinen Fall zu Hause. Da sterben laut Bundestatistik die meisten Menschen.“

 

- Die dritte Frage haut mich dann endgültig um: „Sollen die Kinder immer pünktlich zum Unterrichtsbeginn da sein?“ Meine Geistesblitz als Antwort: „Aber nein, meine Gute. Jeder kommt hier wann er will. 08:00 Uhr ist lediglich ein Vorschlag seitens des Schulamtes. Bei uns entscheidet jeder Schüler selber, wann er zur Schule kommt. Hängt ja auch davon ab, wann der Erstklässler nachts aus der Disco gekommen ist und wie viel Bierchen er getrunken hat. Erstmal in Ruhe den Rausch ausschlafen, Mathe und Deutsch können warten. Prost, Sie geistiger Frühaufsteher.“

 

- Und dann noch dieses Fragen-Feuerwerk: „Unterrichten Sie immer in deutscher Sprache? Oder streuen Sie schon von Anfang an seltene Fremdsprachen ein? Und wenn ja, welche sind das dann?“  Meine Gedanken-Antwort: „Oh yes, Madam. Wir legen sehr viel Wert auf eine multilinguale Ausbildung in der ersten Klasse. Wir streuen immer mal wieder harte Schimpfworte in bulgarisch, polnisch oder auch rumänisch ein. Das lernen die Kinder dann in der Hofpause vom Hausmeister Igor, von den Putzfrauen Luba und Radka oder nach Schulschluss vom 16jährigen Drogen- und Zigaretten-Dealer Ivanescu hinter dem Schulzaun. Bitte geben Sie Ihren Kindern ungefähr 400 Euro die Woche mit. Diese Fremdsprachen-Kurse sind sehr kostenintensiv.“

 

- Und noch so eine Hammerfrage: „Wird es Wandertage geben? Und wenn ja, wohin?“
Aus mir platzt es gedanklich raus: „Klaro wird es solche Tage geben. Nächste Woche treffen wir uns im Bundestag und wohnen der aktuellen Flüchtlingsdebatte bei. Am Nachmittag gehen wir dann in den Zoo und schwimmen mit den Robben. Bitte geben Sie ihren Kindern Taucherbrillen mit. Den Abend verbringen wir dann auf Rollschuhen in der römisch-katholischen Kirche und treffen dort einen Papst Franziskus-Imitator. Amen.“

 

- Aber auch schulfremde Themen werden besprochen. „Wie viel Taschengeld empfehlen Sie in der ersten Klasse?“ Und auch hier habe ich die passende gedankliche Antwort direkt parat: „Oh. Das kann ich pauschal nicht beantworten. Das hängt ein bißchen davon ab, wie oft ihr Kind den Sprachkurs bei unserem Ivanescu belegt. Aber eine Daumenregel gilt auch bei uns in der Schule. Je schwächer ihr Kind ist, desto mehr Taschengeld, Markenturnschuhe und Lederjacken braucht es. Sonst wird es viel weinen im Unterricht.“

 

- Und eine ganz moderne Mami fragt dann, ob die Kinder Handys mit in die Schule bringen dürfen?! Ich denke dieses Mal wirklich laut: „Natüüüüüüürlich. Sie müssen sogar ein Smartphone mitbringen. Das ist hier Pflicht in der ersten Klasse. Aber bitte ausschließlich das neueste Apple I-Phone 7 Plus deluxe in gold. Kein weiss und auch kein schwarz bitte. Es muss gold sein. Wenn ihr Kind noch keins hat, sprechen Sie ruhig mal Luba und Radka an. Sie machen gute Angebote - aber pssst, nicht fragen, woher die ganzen Handys kommen. Dann rennen die beiden weg und keiner macht das Klassenzimmer mehr sauber.“

 

Nun gut. Das reicht ja auch für den ersten Elternabend. Alle Eltern geben der Klassenlehrerin beim Verlassen des Klassenzimmers noch einen kleinen Umschlag mit Bestechungs-Geld heimlich in die Hand. Sie möchte doch bitte einen besonderen Blick auf ihr Kind haben. Ich mach das natürlich nicht. Ich geb´ mein Geld lieber Ivanescu, Luba und Radka. Und wenn das mit meinem Schulkind in der Schule nicht reibungslos läuft, dann soll das der Schwager von Ivanescu mit der Klassenlehrerin klären. Wieder etwas gelernt, oder?!

 

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