Um keine Ausrede verlegen.

 

Jeder kennt das. Man trifft durch Zufall einen ehemaligen Kollegen auf dem Bürogang, den man seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Oder man bummelt Abends durch' s Einkaufscenter und trifft einen alten Schulkameraden wieder. Oder im Restaurant sitzt auf einmal eine frühere Nachbarin am Nebentisch. Und was haben diese drei gemeinsam? Richtig. Erstens hat man sie eine lange Zeit nicht mehr gesehen. Und dafür gibt es ganz bestimmt einen Grund. Und zweitens fragen sie einen dann immer, ob man sich nicht mal wieder treffen möchte. Oha. Man denkt sofort: „Auf gar keinen Fall. Lieber gehe ich zum Zahnarzt und spende zwei Weisheitszähne. Ohne Narkose.“ Aber dann hört man sich doch sagen: „Oh. Gerne. Gute Idee. Es gibt ganz sicher viel zu erzählen.“ Man tauscht die Telefonnummern aus und verabredet sich für' s nächste Wochenende. Und eine halbe Stunde später, hasst man sich dafür. Man kann es kaum glauben. Warum habe ich das nur getan? Ich habe doch gar keine Zeit. Ich sehe ja sogar meine engsten und besten Freunde viel zu wenig. Warum nur habe ich diese Einladung angenommen? Die Antwort auf diese Frage ist simpel. Oft aus Höflichkeit. Aber oft auch, weil einem spontan keine richtige Ausrede eingefallen ist. Und zumindest beim zweiten Punkt, kann ich Euch helfen.

 

Hier meine Top-Ten der kreativen Ausreden, warum man zufällig genau an diesem Abend keine Zeit für einen unangenehmen, ehemaligen Kollegen oder eine unsympathische, penetrante Nachbarin hat.


Ausrede 10)

Nächsten Samstag? Oh nein. Schade. Geht bei mir leider nicht. Da bin ich in Stockholm. Den Nobelpreis für das Züchten von seltenen Magmakristallen entgegennehmen. Mir ist da dieses Jahr endlich der Durchbruch gelungen. Und dabei macht ihr die Merkelraute, kneift ein Auge zusammen, schaut mit dem anderen hindurch und flüstert leise: „Ich bin der König der Kristalle“.


Ausrede 9)

Nächsten Samstag? Oh nein. Geht leider nicht. Da habe ich eine Weiterbildung bei „Doktor Crazy Sushi“. Seminar-Thema: „Wie bereite ich einen Kugelfisch mit einer Büroklammer zu?“ Da habe ich mich schon wochenlang darauf vorbereitet. Und dann wedelt man stolz mit einer Büroklammer vor seiner Nase herum und versucht ihn damit zu pieksen.

 

Ausrede 8)

Oh man. Nächsten Samstag geht leider nicht. So ein Mist. Da bin ich im guten alten Chemnitz bei Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig zu Gast. Wir wollen das Dorf wieder in Karl-Marx-Stadt umbenennen. Und ich soll das rote Zeremonie-Band durchschneiden und das osteuropäische Soljanka-Buffett eröffnen. Dabei sagt ihr laut drei mal hintereinander „leggor, leggor leggor“ und streicht Euch genüsslich mit eurer Zunge über die Lippen.

 

Ausrede 7)

Nächsten Samstag. Das klappt leider nicht. Da schaue ich immer die Trovatos. Dieses mal kommt sogar die Jubiläumsfolge. Da habe ich eine Nebenrolle als ein rumänischer Transvestit, der in der Kanalisation einen Blumenladen eröffnen möchte. Die darf ich auf gar keinen Fall verpassen. Schalte doch selber mal rein.

 

Ausrede 6)

Oh nein. Samstag geht leider nicht. Da habe ich um 19:00 Uhr einen wichtigen, aber diskreten Termin. Frau Sarah W. und ihr unterwürfiger Oskar haben mich für ein Rollenspiel fest gebucht. Unter der dominanten Führung von Sarah W. putze ich nackt den Bundestag und Oskar macht dabei „Männchen“. Sehr schön. Ein netter Nebenverdienst. Da sag ich ungern ab.

 

Ausrede 5)

Oh, Samstag? Passt leider gar nicht. Samstag ist immer schlecht. Ich bin Vorsitzender des örtlichen Country-Clubs und samstags tanzen wir immer den Line-Dance zur Mucke von Shania Twain. Diese Woche üben wir den East-Cost-Swing. Die Schrittfolgen sind echt schwer. Da darf in der Fast-Lane niemand fehlen. Probier´ es doch auch mal.

 

Ausrede 4)

Samstag geht leider oft nicht. Ich muss Sonntag sehr früh raus. Ich engagiere mich ehrenamtlich für die Aktion Menschenkinder und bin diese Woche zum Frühstücksdienst in der Jugendherberge Torfhaus eingeteilt. Die liegt in einer herrlichen Waldlandschaft in 820 Metern Höhe im Harz. Da will ich zu Fuß rauf. Barfuß. Und die Lunchpakete für die 170 verzogenen Gören schmieren sich auch nicht von allein. Sorry, da muss ich ausgeschlafen sein. Samstag klappt echt nicht.

 

Ausrede 3)

Oh. Samstag? Diesen Samstag? Das klappt leider nicht. Da spielt doch der FC Eisenhüttenstadt III gegen SV Blau-Weiß Ziltendorf. Der Tabellenführer gegen das Schlußlicht der Kreisliga Süd Brandenburg. Mal schauen, ob Torjäger Enrico S. wieder trifft. Ich habe Ehrenkarten und Gutscheine für ´ne Molle und ´ne Bratwurst. Und als Vorspiel spielen dann noch die Ü50 der beiden Teams gegeneinander. Bin schon ganz aufgeregt.

 

Ausrede 2)

Jetzt Samstag? Klares nein. Da treffe ich mich mit Show-Opi Stefan R. zum Brainstorming. Wir wollen die Samstag Abend Unterhaltung revolutionieren. Und zwar mit einer Mischung aus Wok-WM im Eiskanal, Turmspringen im Hallenbad und Schulmädchenreport Teil VIII. Was Eltern nie erfahren dürfen, wir aber knallhart im TV zeigen werden.

 

Ausrede 1)

Samstag? Oh nein. Da habe ich keine Zeit. Eine alte Geschichte. 1987 habe ich wegen „Omas schubsen “ eine harte Jugendstrafe in Höhe von 20 Sozialstunden gemeinnütziger Arbeit erhalten. Die schiebe ich seit fast 30 Jahren vor mir her. Apropos „vor mir herschieben“. Diesen Samstag greife ich mir eine Laubharke und schippe die Rampe vor Dr. Schäubles Villa von Blättern frei. Dann schnappe ich mir den Jungen und wir nehmen an einem Seifenkisten-Rennen in Berlin am Mehringdamm teil. Das wird ein Spaß. Drück uns die Daumen.

 

Also, Leute. Für die nächste unheimliche Begegnung mit einem alten Bekannten seid ihr nun vorbereitet. Alternativ könnt ihr Euch auch als Harry Potter-Fan outen, Euch einen Einkaufswagen und eine weiße Eule schnappen und dann mit ordentlich Schwung gegen die Bahnhofswand krachen. Wenn Ihr dann wieder aus dem Koma aufgewacht seid, ist der alte Bekannte bestimmt schon weg. In diesem Sinne, juute Nacht.

 

PS.: Manchmal hilft aber auch ein einfaches "nein". Das ist aber schwer auszusprechen.

 

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© Olli Dahlke - Botschafter des Humors