Small-Talk? Schnauze!

 

Ob im Fahrstuhl, auf einer Party oder im Büro. Gekonnter Small-Talk will gut überlegt sein. Sonst landet man ganz schnell in einer verbalen Sackgasse. Gute fünf Minuten gequatscht und dabei nichts gesagt. Wirklich nichts. Gar nichts. BlaBlaBla. Aber gedacht habe ich dabei eine Menge. Im folgenden Beispiel findet Ihr einen typischen Small-Talk-Dialog morgens vor dem Aufzug. Was mein Gesprächspartner sagte, was ich geantwortet habe und was ich wirklich dabei gedacht habe. Ich hoffe, es wird nicht zu unübersichtlich. Vorhang auf.

 

Er: "Hallo! Ich grüße Sie"

Das habe ich gesagt: "Guten Tag."

Und das habe ich gedacht: "War ja klar, der Bereichs-Affe hat gute Laune. Hatte bestimmt eine Banane mehr als sonst zum Frühstück. Mit Streuseln. Was is`?"

 

Er: "Brrrr – wirklich kalt heute früh!"

Das habe ich gesagt: "Ja, stimmt. Der Winter ist nun endlich da. Sind bestimmt unter Null Grad."

Und das habe ich gedacht: „Mimimimimi – ein echter Kerl wärmt sich an einem Eisblock, du Pfeife."

 

Er: "Ja. Jetzt kann man die dicke Winterjacke anziehen. Man muss sogar."

Das habe ich gesagt: "Absolut. Habe ich auch an. Ohne geht ja gar nicht."

Und das habe ich gedacht: "Bei der Farbe der Jacke könnte man kotzen. Muss man sogar. Das Michelin-Männchen läßt außerdem grüßen. Dick biste geworden. Aber steht Dir."

 

Er: "Aber wir dürfen nicht meckern. Der Sommer war auch toll. Ich wünschte es wäre wieder Sommer."

Das habe ich gesagt: "Ja, das stimmt. Der Sommer war sehr schön."

Und das habe ich gedacht: "Und ich wünschte, ich wäre Milliardär und sitze mit Heidi Klum und ihren Top-Modells nackt an einer Cocktail-Bar in der Karibik. Come back to reality, mein Guter!"

 

Er: "Aber viel zu schnell vorbei."

Das habe ich gesagt: "Ja, viel zu schnell. Die Zeit vergeht sowieso viel zu schnell. Gestern war noch richtig warm."

Und das habe ich gedacht: "Leider gilt das nicht für das Gespräch hier. Laaangweilig."

 

Er: "Wahnsinn. Da hatte ich noch die Badehose an."

Das habe ich gesagt: "Haha, ja, gestern waren es bestimmt noch gefühlte zehn Grad. Oder? Und heute?"

Und das habe ich gedacht: "Oh Gott. Die Bilder bekomme ich nie wieder aus meinem Kopf. Das Michelin-Männchen in Badehose zerlegt das Strandbad Wannsee wie Godzilla damals Tokio. King-Kong schaut neidisch."

 

Er: "Richtig kalt und nass. Der Sommer war mir lieber."

Das habe ich gesagt: "Und es wird immer früher dunkel."

Und das habe ich gedacht: "Nochmal Mimimimi – aber Du hast Recht. Der Sommer war mir auch deutlich lieber." Ich denke schon wieder an meine Heidi und ihre Girls.

 

Er: "Ja, stimmt. Morgens beim Aufstehen ist es dunkel. Und abends zum Feierabend ist es auch schon wieder dunkel."

Das habe ich gesagt: "Aber der nächste Sommer kommt bestimmt."

Und das habe ich gedacht: "The Dark Side of the force." In Gedanken kämpfe ich mit meinem Lichtschwert gegen Darth Vader und meinen langweiligen Gesprächspartner.

 

Er: "Ja, ganz bestimmt. Aber heute ist es noch kalt. Aber zum Glück schneit es ja noch nicht."

Das habe ich gesagt: "Absolut. Das brauch ich jetzt gar nicht."

Und das habe ich gedacht: "Pssstttt. Sprich leiser. Sonst wecken wir noch Frau Holle auf."

 

Er: "Nee, ich auch nicht. Der Verkehr ist so schon schlimm genug."

Das habe ich gesagt: "Ich habe über eine Stunde gebraucht. Wahnsinn."

Und das habe ich gedacht: "Meinst Du deinen „Verkehr“ gestern Abend mit der lasziven Drallen vom Empfang? War so schlimm, ja? Erzähl´ mir mehr. Hast Du Fotos dabei?"

 

Er: "Ich auch. Wegen der Baustelle auf der Hauptstraße. Die werkeln da jetzt schon seit über einem halben Jahr dran herum."

Das habe ich gesagt: "Überall wird gebaut."

Und das habe ich gedacht: "Naja, die machen erst mal schnell noch die Baustelle am Berliner Flughafen Schönefeld fertig. Danach geht’s an deiner Hauptstraße weiter."

 

Er: "Aber nichts wird fertig, oder?"

Das habe ich gesagt: "Ja, glaub ich auch. Scheint so."

Und das habe ich gedacht: "Aber Du machst mich fertig. Wann kommt denn endlich dieser blöde Fahrstuhl?"

 

Er: "Brrrr. Ich brauch jetzt erst mal was Warmes."

Das habe ich gesagt: "Ja, stimmt. Ohne Kaffee geht hier gar nichts."

Und das habe ich gedacht: "Na dann geh doch in die Lausitzer Therme. Da ist heute Homo-FKK-Warmbadetag. Rotes Handtuch bedeutet übrigens schmerzfrei. Blaues Handtuch signalisiert: Ich bin zu langsam zum Weglaufen. Nimm beide Farben mit."

 

Er: "Na dann, erst mal aufwärmen."

Das habe ich gesagt: "Ja, stimmt. Na dann, Prost Kaffee. Oder Tee. Hauptsache was Warmes."

Und das habe ich gedacht: "Ein Glück. Der Fahrstuhl-Gott hat ein Einsehen. Schnell rein da. Tschüß."

 

Er: "Ist ja auch wirklich kalt."

Das habe ich gesagt: "Viel Erfolg dann."

Und das habe ich gedacht: "Zum dritten Mal: Mimimimi. Tschüüüß."

 

Er: "Danke. Gleichfalls. Tschüß."

Das habe ich gesagt: "Tschüß."

Und das habe ich gedacht: "Boaah, endlich. Tschüüüüüüüüüüß."

 

Und zehn Minuten später geht der ganze Mist dann wieder in der Kaffeeküche von vorne los. Wie man eine solche Small-Talk-Plauderei vermeiden kann? Einfach mal auf das "Guten Tag" mit einem gepflegten, selbstbewussten "Schnauze!" antworten. Das kommt überraschend und gibt einen den benötigten Freiraum. Aber Achtung. Zuviel "Schnauze" macht einsam. Und so ganz allein wird’s auch ganz schnell wieder kalt draußen, oder?

 

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