Norddeutscher Wahnsinn.

 

Ungefragt wechsle ich meine Meinung ein. Denn Fußball ist ein schöner Sport – man spielt ihn mit dem Fuß. Aber in Hamburg derzeit leider ohne Kopf. Die „Kühne-Ich-bin-Fußball-Gott-AG“ aka Hamburger Sport Verein beurlaubt mit sofortiger Wirkung seinen Trainer Markus Gisdol. Herr Gisdol war Nachfolger von Retter Bruno Labbadia und gerade mal zwei Tage im Amt. Er war einfach viel zu wenig präsent im Clubhaus in den ersten beiden Tagen seiner Amtszeit, lautet die offizielle Begründung. Dietmar Beiersdorfer schrieb ihm eine WhatsApp gegen Mitternacht und war selber überrascht, wie leicht es ihm mittlerer Weile fällt, sinnlose Kündigungen auszusprechen. Übung macht eben doch den Meister. Gisdol war hingegen nicht so sehr verwundert. "Damit war absolut zu rechnen. Ist ja schließlich der HSV", wurde er am Morgen zitiert. Und es geht genau so weiter.

 

In der für 10:00 Uhr angesetzten Pressekonferenz soll wiederum der Nachfolger von Markus Gisdol, sein Vornamensvetter Markus Weinzierl, vorgestellt werden. Dietmar Beiersdorfer war es nämlich  wichtig, eine schnelle Lösung zu präsentieren. „Weinzierl bringt die nötige Erfahrung im Abstiegskampf mit. Null Punkte nach fünf Spielen auf Schalke. Das passt auch gut zu uns.“, wird Beiersdorfer zitiert.  Auf der Pressekonferenz gab es dann gleich noch weitere Highlights. Gegen 11:00 Uhr wurde dann überraschenderweise gleich wieder die fristlose Entlassung von Markus Weinzierl bekannt gegeben und sein Nachfolger direkt vorgestellt. Jos Luhukay soll Markus Weinzierl beerben und die Mannschaft wieder beruhigen. Denn Herr Weinzierl wollte Änderungen im Spielsystem vornehmen und die nahezu lethargische Truppe aus ihrer Komfortzone rausführen. Das stößt natürlich auf Widerstand. So geht´s nicht. Jos Luhukay gilt als erfahrener Zweitliga-Experte. Gegen 12:00 Uhr dann die Kurzschlusshandlung vom HSV-Senator-Investor Kühne. "Das war alles nicht mit mir abgesprochen. So geht es nicht, meine Herren", polltert er wütend los und präsentiert gleich mit breiter Brust den Nachfolger von Jos Luhukay. Unter tobendem Applaus der Journalisten kommt Huub Stevens aus dem Backstage-Bereich der Pressezone. Wie immer sportlich im Trainingsanzug und mit 10 kg Pomade in den Haaren. „Die Null muss stehen“, ruft er lautstark in die Menge. Das ist zu viel für Beiersdorfer. Unter Tränen entlässt er den Holländer gleich wieder. "Unter echten Freunden ist so eine Entscheidung nie leicht. Aber wir haben es uns auch nicht leicht gemacht. Wir wollen keine alten Fehler zweimal begehen". Die Journalisten sind aufgrund dieser Aussage zu Recht verwundert. Nachfolger von Stevens wird, man glaubt es kaum, Thomas Doll.

 

Es ist erst 13:30 Uhr und es gehen beim HSV mehr Trainer rein und raus, als im Hamburger Laufhaus die Freier. Nach einer kurzen Ansprache von Thomas Doll schmeißt er direkt selbst das Handtuch. „Hier hört mir ja eh keiner zu.“ Da klingelt zufällig das Diensthandy von Dietmar Beiersdorfer. Kaum zu glauben, es ist Peter Neururer. Er sitzt wohl gerade mit Felix Magath beim Senioren-Kaffee und schaut die Pressekonferenz live auf Sky Sport News HD. Beide könnten sich eine Zusammenarbeit mit dem HSV für ein bis zwei Tage vorstellen. Beiersdorfer eröffnet eine gedankenschnell eine Telefonkonferenz. Denn auf Leitung zwei ist noch Tim Wiese und auf Leitung drei Ewald Lienen. Hamburg ist Hamburg. Er schwafelt etwas von einer Zusammenführung zweier Welten in einer Stadt und schreibt dabei wild einen kleinen Zettel voll.

 

„Jetzt reicht es mir“ brüllt Kühne los. Wir brauchen Konstanz in diesem Amt. Ich übernehme selber den Trainer-Job. Kaum hat er das ausgesprochen, kommt Lothar Matthäus um die Ecke. Er sucht die Toilette. Alle schauen sich sofort kopfnickend an. Da ist man sich einig. Das ist unser Mann. Lothar wird neuer HSV-Trainer. Unser german record-player. Na dann: „I hope, you have a little bit lucky.“ Dann bleibt auch das Chancenplus ausgeglichen. Herzlich willkommen in der Relegation. Uwe Seeler weint.

 

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© Olli Dahlke - Botschafter des Humors