Früher war ich jünger.

 

Ach ja, seufz, früher war alles besser. Das habe ich neulich wieder gehört. Aber ich sag es gleich vorne weg, das halte ich für Quatsch. Aus meiner Sicht war früher wirklich einiges besser, aber vieles war auch wirklich schlechter. Deutlich schlechter übrigens. Und dennoch träumen und wünschen wir uns manchmal nochmal zurück in frühere Jahre. So ist es eben. Und heute möchte ich Euch gern mal in meine Vergangenheit mitnehmen. Ähnlich wie damals Marty McFly und Doc Brown in "Back to Future". Also, schwingt Euch rein in meinen virtuellen DeLorean und ab geht' s.

 

Unsere erste Station mit der Zeitmaschine ist 1979. Ich war gerade sechs und Nummer Eins der damaligen Musik-Charts war Dschinghis-Khan. Diese Schummel-Mongolen waren u.a. aus Deutschland und Ungarn. Was sich also erst mal wie eine mutige Eroberer-Tour durch Zentralasien anhört, endete in Wirklichkeit am Balaton mit einem kurz angebratenen Paprika-Gulasch. Und so hat sich das dann auch angehört. "He - Ho - Ha - Hatschiiii". Kostprobe gefällig? Sehr gern:

 

"Dsching, Dsching, Dschingis Khan
He Reiter - Ho Leute - He Reiter - Immer weiter!
Dsching, Dsching, Dschingis Khan
Auf Brüder! - Sauft Brüder! - Rauft Brüder! - Immer wieder!
Lasst noch Wodka holen (Ho, Ho, Ho, Ho, Ho)
Denn wir sind Mongolen (Ha, Ha, Ha, Ha, Ha)
Und der Teufel kriegt uns früh genug!"

 

Spätestens jetzt habt ihr einen Ohrwurm, nicht wahr?

 

Vier Jahre später startete ich dann mit zehn Jahren meinen persönlichen Digitalisierungs-Feldzug. Meine erste Waffe: ein Commodore 64. Mit meinem Bruder zusammen jagte ich die Rekorde bei den Summer- und Winter-Games. Stille Beobachter dachten bestimmt, dass wir den Joystick zertrümmern wollten, aber in Wirklichkeit rüttelten und schüttelten wir uns über 110 Meter Hürden. Schneller „rütteln“ könnte eine elektrische Zahnbürste damit auch nicht. Wir waren Profis. Und die Daddelkiste im Brotformat war echt der Hit. Aber keinesfalls besser als die Dinger heute.

 

1986 wollte ich dann das Weltall erobern. Also vom Fernseher aus. Es wurde amerikanisch nuschelnd bis auf Null runtergezählt und die Raumfähre „Challenger“ ging ab wie eine Rakete. Doch leider explodierte sie dann auch kurz danach wie eine Feuerwerks-Rakete. Heute hat jedes Smartphone eine bessere Technik an Bord als die „Challenger“ (ok, außer das Samsung Galaxy Note 7 vielleicht - das Ding hält sich augenscheinlich selber auch für eine Rakete) und jede Glückwunsch-Neujahrs-Rakete aus dem Baumarkt hat deutlich mehr Schub.

 

Ein Jahr später dann der nächste Knaller. Dirty Dancing kommt ins Kino. „Baby Houseman verbringt mit Mami, Papi und Schwesterchen den Sommer in einem Ferienhotel und lernt den Tanzlehrer Johnny Castle kennen und lieben.“ Der Rest ist Mambo, Hebefigur und in meiner Wahrnehmung pure Langeweile. Da hat mich „LaBoom“ 1980 mit der kleenen, süßen Marceau ja mehr mitgerissen. Trotz Mireille Mathieu-Frise.  Und da war ich erst Sieben. Heute haben wir übrigens „Let's Dance“ mit Ober-Motsi Mabuse und den Lombardis. Da ist richtig was los. Steht sogar in der GALA.

 

Und was war dann 1998? Richtig. Das Nokia 5110 hatte Verkaufsstart. Der Klassiker. Und ich war dabei. Ein richtiger Handy-Knochen mit gefühlten vier Kilo Akku und einem 2cm x 3cm-Display. Ohne Farbe aber dafür mit Snake. Und heute schaut man mit den Dingern Live-Fußball über Sky Go und jagt beispielsweise mit Lara Croft in 3D durch Kambodscha. Unfassbar besser als früher. Und Uschi Glas war auch nicht attraktiver als Heidi Klum, Fips Asmussen auch nicht lustiger als Mario Barth und der Opel Kadett war ooch nicht schneller als der neue Astra. Die Fernseher waren deutlich kleiner, die Landkarten im Falk-Faltsystem haben einen wahnsinnig gemacht und in Restaurants wurde noch ordentlich geraucht.

 

Also meine Lieben, früher war ganz sicher nicht alles besser. Nur anders. Aber dafür sieht man auf älteren Fotos immer deutlich jünger aus. Das ist ja auch auch mal was. Ich freu` mich jedenfalls schon auf morgen. Und übermorgen.

 

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