Vier Zahlen für ein Halleluja.

 

Der chinesische DAX sieht derzeit eher schlecht durch die Schlitzaugen und sinkt im Sturzflug. Die griechische Währung ist auch keinen Cent mehr wert. Der Dollar stellt den Euro ins Abseits und der Goldwert sinkt wie Blei. Das Zins-Niveau liegt am Boden und sogar Gangster-Rapper "50 Cent" rappt nicht mehr "Fuffis in da club", sondern nennt sich um in "No' Money - Mo' Problems". Und heute früh stehe ich am Geldautomaten an und werde Zeuge folgender Verzweiflung.

 

„Muttiiii?!“ ruft das ca. 16 jährige Mädel laut am Automaten und schaut hilfesuchend durch mich durch. „Wie is' mein PIN?“ Die Antwort von der lieben Mutter war klar und laut. „Watt denn für nen PIN, Mausi?“ Und jetzt müsst Ihr ganz tapfer sein. Ich stelle die Unterhaltung mal kurz nach.

 

Mausi: „Wie is' mein PIN?“

Mama:  „Watt denn für nen PIN, Mausi?“

Mausi: „Na hier am Automaten.“

Mama: „Achso. Warte. Weeß ick nich. Versuch mal die Postleitzahl.“

Mausi: „Reichen 20 Mark?“

Mama:  „Ja“.

Mausi: „Scheiße, Mama. Ditt jeht hier nich. Falsche Zahlen. Manno. Ditt jeht nich.“

Mama:  „10 Mark reichen ooch. Beeil Dich mal, der Zug kommt gleich.“

Mausi: „Na wie denn? Ahhhhh. Jetzt kommt die behinderte Karte nich mehr raus.“

 

Nach dreimaligem lautem „Scheiße“ rufen und dreimaligem Eingeben der falschen Postleitzahl, dreht sich Mausi frustriert um und geht ohne Geld und ohne behinderte Karte zurück zu Mama. Sie schaut mich an und sagt: „PIN jeht nich“ und wackelt davon. Ich frage mich, was die beiden denn überhaupt mit den zehn Mark anstellen wollten? Vielleicht wollten sie sich neue crazy, fancy Nails bei Mai-Thai-Nailing feilen lassen? Einfach sich mal etwas gönnen zum Monatsanfang. Oder wollten sie sich zwei Prosecco-Muschi-Keulchen bei Lidl schnappen? Bei dem heißen Wetter soll man ja viel trinken. Oder doch bequem mit dem Taxi zum Job-Center fahren? Oder ein kleines Mitbringsel der Marke Goldkrone für Vatti besorgen, der zuhause im Feinripp-Muskelshirt auf bessere Zeiten wartet? Na gut. Realistisch gesehen werden es zwei rote Pall Mall Big Packs, die spätestens heute Abend aufge(b)raucht sind.

 

Endlich bin ich dran. Stecke meine EC-Karte in den Geldautomaten und versuche auch mal etwas Verrücktes. Bei der ersten PIN-Eingabe gebe ich das Dortmunder Torverhältnis nach drei Bundesliga-Spieltagen ein. Klappt nicht. Beim zweiten Try gebe ich dann lächelnd die Häftlingsnummer von Uli Hoeneß ein. Klappt auch nicht. Beim dritten und letzten Versuch vertippe ich mich dann aus Versehen und meine Karte bleibt im Automaten. Ohhh. Habe jetzt auch spontan aufgehört zu lächeln. Jetzt ist die Finanzkrise endgültig auch bei mir angekommen. Aber nicht so schlimm. Dann gehen wir heute Abend eben griechisch Essen. Bei Costas kann ich nämlich anschreiben lassen. Darauf einen Ouzo. Oder auch vier. Halleluja.

 

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© Olli Dahlke - Botschafter des Humors